„Trường Hè, 2001“: Ein Film über Familienbande zwischen Tschechien und Vietnam

Der Film „Summer School, 2001“ (Trường hè, 2001) des tschechisch-vietnamesischen Regisseurs Dužan Duong erzählt die Geschichte einer vietnamesischen Einwandererfamilie in der tschechischen Kleinstadt Cheb nahe der deutschen Grenze. Im Mittelpunkt steht der 17-jährige Kiên, der nach zehn Jahren bei seinen Großeltern in Vietnam zu seiner Familie zurückkehrt. Er ist nicht mehr das Kind, das seine Eltern einst kannten, sondern ein junger Mann mit Ohrringen und rot gefärbten Haaren. Zusammen mit seinem zehnjährigen Bruder Tài besucht er einen Sommerkurs, um sein Tschechisch zu verbessern.
Der Film entfaltet ein Familiendrama, das von Spannungen zwischen den männlichen Familienmitgliedern geprägt ist. Kiên verachtet seinen Vater, weil er ihn allein nach Vietnam geschickt hat, während der Vater sich in der vietnamesischen Gemeinschaft zunehmend ausgegrenzt fühlt – nicht zuletzt wegen Gerüchten über seine Beteiligung an Plänen zur Zerstörung des Marktplatzes und wegen des exzentrischen Auftretens seines älteren Sohnes. Die Konflikte zwischen Kiên und seinem Vater wirken sich auch auf das Verhältnis zu seinem Bruder aus, dessen Hörgerät und die damit verbundenen Kosten Kiên als Grund für seine Verbannung nach Vietnam sieht.
Die Erzählstruktur des Films ist bemerkenswert: Er ist in drei Abschnitte unterteilt, die jeweils aus der Perspektive eines der Hauptcharaktere erzählt werden – des Vaters Dũng, des Bruders Tài und Kiêns selbst. Diese Perspektivwechsel bauen Spannung auf und brechen sie wieder, indem sie bisher Ungesehenes, Ungesagtes und Ungefühltes ans Licht bringen. Vieles von den Familienkonflikten wird durch Missverständnisse oder die Abneigung zu kommunizieren befeuert, was angesichts der zehnjährigen Trennung kaum verwunderlich ist.
Interessant ist auch die Entstehungsgeschichte des Films: Hauptdarsteller Bùi Thế Dương, der Kiên spielt, hatte vor diesem Film keine Schauspielerfahrung. Er stieß zufällig auf einen Facebook-Aufruf für Castings und bewarb sich. Der Regisseur wusste zunächst nicht, dass Dươngs eigene Lebensgeschichte der des Charakters ähnelt: Auch Dương wurde in Vietnam geboren, lebte ab vier Jahren getrennt von seinen Eltern und kam erst mit zwölf Jahren nach Tschechien. Fast alle Darsteller im Film sind Laienschauspieler, die Dužan lieber „Naturtalente“ nennt.
Der Film wurde in Tschechien sehr positiv aufgenommen und erhielt acht Nominierungen bei den Tschechischen Löwen 2025 sowie zwei Nominierungen für den Tschechischen Filmkritikerpreis. Regisseur Dužan führt die Begeisterung des tschechischen Publikums darauf zurück, dass der Film einen Einblick in das Leben der tschechisch-vietnamesischen Gemeinschaft gibt, die für ihre rund um die Uhr geöffneten Mini-Märkte und ihr köstliches vietnamesisches Essen bekannt ist. Der Film läuft nun auch in Vietnam in den Kinos von Saigon, Hanoi und Đà Nẵng.
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