
Der türkische Kolumnist Ertuğrul Özkök analysiert ein Foto aus Teheran, das eine Frau mit offenem Haar und selbstbewusstem Gang zeigt, während im Hintergrund Porträts der getöteten religiösen Führer Chomeini und seines Sohnes zu sehen sind. Das Bild wurde nach dem Ende des Krieges zwischen Iran und den USA aufgenommen. Özkök stellt die Frage, wie es möglich ist, dass eine Frau nur wenige Monate nach den brutalen Unterdrückungen der Proteste von Mahsa Amini derart frei und herausfordernd durch die Straßen gehen kann. Er erinnert daran, dass der Generalstaatsanwalt des alten Regimes Frauen, die ihr Kopftuch ablegten, noch als „Feinde Gottes“ bezeichnete.
Der Autor beschreibt seine morgendliche Routine, bei der er die New York Times liest, und stieß zufällig auf zwei Artikel über Iran und die Türkei. Der erste Artikel zeigte genau dieses Foto der Frau mit Pferdeschwanz. Özkök bemerkt, dass in den letzten Monaten viele Bilder aus Iran Frauen ohne Kopftuch zeigen, was wie eine bewusste Auswahl wirkt, um ein bestimmtes Bild zu vermitteln. Er vergleicht dies mit früheren Propagandaaktionen, bei denen Militärfahrzeuge rosa lackiert und mit bewaffneten Frauen besetzt wurden, um eine „nationale Einheit“ zu suggerieren.
Özkök kritisiert die Heuchelei des Regimes, das vor vier Jahren Mahsa Amini tötete, weil sie ihr Kopftuch nicht richtig trug, und vor wenigen Monaten Zehntausende Demonstranten ermordete. Jetzt versuche dasselbe Regime, mit Bildern von kopftuchlosen Frauen eine geeinte Nation zu inszenieren. Er nennt dies eine „widerliche Heuchelei“ und fragt, wie das Regime es wagen kann, die Freiheit der Frauen für Propagandazwecke zu missbrauchen.
Der Kolumnist argumentiert, dass Iran nicht nur aus den herrschenden Mullahs besteht, sondern dass die iranische Gesellschaft vielfältiger ist. Ein echter „Nation“-Begriff erfordere die freiwillige und freie Teilnahme aller. Iran habe dies noch nicht erreicht, versuche aber zumindest, das Bild einer Gesellschaft zu vermitteln, in der Frauen frei auf der Straße gehen können. Dies sei ein Zeichen dafür, dass die Mullahs allein nicht ausreichen, um eine Nation zu formen.
Abschließend stellt Özkök die Frage, ob der politische Islam schwächer wird. Er verweist auf den Niedergang der Muslimbruderschaft in Saudi-Arabien, Ägypten und Tunesien. Die letzte Bastion sei die Hamas, die sich noch nicht vollständig von dieser Ideologie gelöst habe. Die Bilder aus Iran zeigten, dass die Hochburg des politischen Islam, das iranische Regime, nun ebenfalls unter Druck gerät und gezwungen ist, Zugeständnisse zu machen, um sein Image zu retten.
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