
In der Diskussion über Wohnraum konzentrieren wir uns oft auf Zahlen wie Hauspreise, Mietkosten und Grundstückswerte. Dabei wird jedoch selten darüber gesprochen, welche Art von Leben unsere Häuser eigentlich ermöglichen sollen. In Aotearoa Neuseeland träumen viele noch immer von einem freistehenden Eigenheim, aber dieser Traum ist nicht für alle Realität. In indigenen Gemeinschaften, insbesondere bei Māori und Pazifikinsulanern, ist das Wohnen mehrerer Generationen eine kulturelle Norm. Ein Zuhause ist dort nicht nur Eigentum, sondern ein Ort der Identität und Zugehörigkeit, der über die Kernfamilie hinausgeht.
Diese Sichtweise wird auch in kollektiven Wohnmodellen aufgegriffen, die gemeinsame Räume und Gemeinschaftsleben priorisieren. Obwohl diese Lebensweise oft als Ausnahme betrachtet wird, zeigt meine aktuelle Forschungsarbeit, dass Mehrgenerationenhäuser nicht nur eine Antwort auf die Wohnungskrise sein könnten, sondern auch eine kulturell verankerte und zukunftsorientierte Lebensweise bieten. Die neuesten Volkszählungsdaten belegen einen Anstieg der Mehrgenerationenhaushalte: 2023 lebten 127.947 erweiterte Familien zusammen, ein Anstieg von 27,2 Prozent seit 2013.
Gleichzeitig stieg die Zahl der Familien mit erwachsenen Kindern, die zu Hause wohnen, um 27,3 Prozent. In den Medien wird diese „Bumerang-Generation“ oft als Zeichen wirtschaftlicher Not oder mangelnder Eigenständigkeit dargestellt. Doch für viele Haushalte ist dies kein Scheitern. In meiner Forschung interviewte ich Menschen, für die das Leben mit mehreren Generationen völlig normal ist. Eine befragte Person lachte, als sie nach dem Begriff gefragt wurde, und sagte: „Ich musste nachschlagen, was das bedeutet, weil es für mich einfach die Norm ist.“
Die Befragten beschrieben die Vorteile dieser Lebensweise, darunter eine Art Dorfökonomie, gemeinsame Kinder- und Altenbetreuung sowie die Weitergabe von Sprache und kulturellem Wissen. Sie betonten die gegenseitige Fürsorge, die diese Arrangements fördern, mit Aussagen wie „Es ist ein Dorf, das dich großzieht“ und „Man hilft immer bei dem, was die Großeltern brauchen“. In einem Land mit alternder Bevölkerung und angespannten Sozialsystemen bieten solche Modelle praktische Lösungen.
Die Forschung legt nahe, dass die Wohnungspolitik und Stadtplanung diese Lebensform stärker berücksichtigen sollten. Statt nur auf Einfamilienhäuser zu setzen, könnten flexible Grundrisse, gemeinschaftliche Räume und bezahlbare Optionen für Mehrgenerationenhaushalte geschaffen werden. Dies würde nicht nur den Wohnungsdruck mindern, sondern auch soziale Bindungen stärken und kulturelle Traditionen bewahren. Letztlich geht es darum, Häuser zu bauen, die das Leben in seiner ganzen Vielfalt unterstützen.
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